Das Leben feiern

Pforzheimer Zeitung vom 15. Februar 2013

Familientag in Straubenhardt am Tag der Kinderhospizarbeit
Eltern, Kinder und Helfer feiern gemeinsam in der Schwanner Festhalle

PZ_20130215Lebhaftigkeit und Lachen fluten dem Gast entgegen, der die Schwanner Festhalle betritt. Kinder rennen durch die Gänge, Menschen umarmen sich aus Freude über das Wiedersehen. Aus dem gesamten Enzkreis sind Familien am deutschlandweiten Tag der Kinderhospizarbeit zusammengekommen, die schwerkranke Kinder versorgen oder in denen Familienangehörige gestorben sind.

Eng kooperieren Trauerbegleitung des Kinderschutzbundes, der Kinder- und Jugendhospizdienst der Sterneninsel mit der Hauptorganisatorin des Tages, Angelika Miko – und sie unterstützen die Familienherberge Lebensweg, die in Schützingen für betroffene Familien aufgebaut wird.

Herzliche Atmosphäre

Herzlich und offen ist die Atmosphäre an diesem Familientag. Da sind die Eltern, die den kranken Felix liebevoll durch ihren Körperkontakt beruhigen, während die Mutter sagt: „Es freut uns sehr, dass eine Sterneninselmitarbeiterin seine Schwester regelmäßig besucht und dabei sie in den Mittelpunkt stellt.“. Da ist Teenager Sven, der selbst in die Trauerbegleitungsgruppe ging und jetzt dort sogar ein Praktikum absolviert. Da sind Leute, die sich zu ehrenamtlichen Hospizbegleitern ausbilden lassen wollen und die Menschen kennenlernen möchten.

Da ist Jonas auf seinem Pflegebett, an Schläuche angeschlossen, eine Krankenschwester neben ihm – er ist schon eine kleine Berühmtheit durch die Fußballspiele, die er jährlich organisiert. Da ist der Herr, der gekommen ist, weil er „eine vonnvolle Aufgabe sucht“ und viele Eindrücke mitnimmt.

Zirkus auf der Bühne

Da ist die Gruppe der Firmlinge der örtlichen katholischen Kirchengemeinde, die am Kuchenbuffet bedient. Da ist Katharina mit ihren Freundinnen Marta und Sofie – alle aus dem Trauerbegleitungstreff – die zwei Tage lang Zirkuskunststücke eingeübt haben, um sie nun auf der Bühne zu zeigen: „Ich brauche heute nicht zum Fasching – hier ist es echt witzig!“ Wenig später steht Katharina mit anderen Geschwisterkindern Schwerstkranken auf der Bühne. Sie präsentieren Klamauk, Kunststücke und Zaubertricks. Das Publikum klatscht.

Und doch ist auch die andere Seite stets gegenwärtig – stehen da Pflegebetten und Rollstühle. Und dann spannt Angelika Miko wunderbar den Bogen und sagt: „Für fünf tiefe Atemzüge möchten wir an alle denken, die verstorben sind“ – und wer dabei traurig wird, dem wird mit Respekt begegnet – „Aber heute möchten wir das Leben feiern!“