„Den Tod ins Leben holen“

Pforzheimer Zeitung vom 21. November 2013

Veranstaltung im PZ-Forum thematisiert Sterben und Abschied.
Hospizdienste gestalten einen Abend mit Lesung und Musik.

m2321111301_0206068

Tod und Trauer, der Abschied von einem geliebten Menschen – wohl niemand beschäftigt sich gern damit. Und doch gehört das Thema Sterben zum Alltag. Um das Bewusstsein dafür zu schaffen, wie wichtig es ist, sich schon zu Lebzeiten damit auseinanderzusetzen und den Tod ins Leben zu nehmen, haben die Hospizdienste aus Pforzheim und dem Enzkreis für Mittwoch, 27. November, einen Abend mit Lesung und Musik im PZ-Forum initiiert.

Zu Gast wird Eduard Maas von der Balinger Hospizgruppe sein. Er engagiert sich seit vielen Jahren in der Hospizarbeit und hat die Kurzgeschichtensammlung „Das Buch vom Abschied“ herausgegeben, in dem mehr als 40 prominente Persönlichkeiten ihre Gedanken zum Thema Tod und Sterben teilen: Sie berichten von den eigenen Erfahrungen mit einem Verlust oder geben ihre ganz persönlichen Trauererlebnisse wieder. Herausgekommen sind berührende, nachdenkliche, aber auch heitere Beiträge, unter anderem von Norbert Blüm, Paulo Coelho, Anselm Grün oder Veronica Ferres. Sie finden Worte zu einem sehr persönlichen, aber in der Gesellschaft noch immer tabuisierten Thema, das viele Menschen sprachlos macht.

Maass Anliegen ist es, zu zeigen, dass das Thema Tod und Sterben alle Menschen betrifft, und eine Lanze zu brechen für eine neue Sterbekultur in einer modernen Gesellschaft. Entstanden ist ein Buch gegen die Hilflosigkeit im Angesicht des Todes, das die tröstende Botschaft trägt: Sterben ist die letzte Lebenszeit, und es tut gut zu erkennen, dass sie würdevoll gestaltet und für letzte wichtige Worte genutzt werden kann. Im Rahmen der Veranstaltung werden einige ausgewählte Geschichten aus Maass’ Buch vortragen, der Chor „Voices in Motion“ aus Königsbach-Stein sorgt für den musikalischen Rahmen. Im Foyer werden die Hospizdienste Infomaterial und Flyer auslegen. Im Anschluss an die Lesung und den musikalischen Beitrag soll es eine philosophische Runde geben. Dabei werden Eduard Maass, Teresia Kraft vom ambulanten Hospiz in Pforzheim, Angelika Miko von der „Sterneninsel“ und ein betroffener Vater auf dem Podium sitzen. Sie werden gemeinsam über ihre persönlichen Erfahrungen mit dem Tod sprechen und darüber, wie wichtig dabei die Begleitung durch Mitarbeiter eines Hospizdiensts sein kann.

„Wir wollen mit der Veranstaltung Mut machen, die Dinge zubenennen. Es ist sehr hilfreich, Themen wie Tod und Sterben nicht unter den Teppich zu kehren. Wenn man offen darüber spricht, werden Angst und Schmerz oft kleiner. Wer es ignoriert und wegschiebt, für den ist der Moment, wenn ein lieber Angehöriger stirbt, ein noch größerer Schock und noch größer und bedrohlicher“, sagt Angelika Miko von der „Sterneninsel“. Kinder und Jugendliche würden oft anders, viel offener damit umgehen. „Sie können beispielsweise ihre Gedanken zum eigenen Sterben oft besser thematisieren, können Wünsche äußern, wie es sein soll, wenn sie beerdigt werden“, sagt Miko weiter. Erwachsenen falle das meist schwerer, „egal ob es um das eigene Sterben geht oder den Tod eines Kindes.“ Miko fügt hinzu: „Ein Jugendlicher, den die Sterneninsel begleitet, weiß zum Beispiel schon genau, welche Fußballtrikots er mal anziehen will, wenn er stirbt – nur noch nicht in welcher Reihenfolge. Das hängt für ihn davon ab, wie die Mannschaften bei der Weltmeisterschaft abschneiden.“ So einfach das im ersten Moment klinge, so wichtig sei es, darüber zu sprechen. Auch für die Hinterbliebenen sei es ein Trost zu wissen, was man für den lieben Menschen tun könne, der bald aus dem Leben geht. „Das bedeutet etwas ganz Wichtiges für die, die weiterleben. So etwas offen zu benennen, ist wertvoll.“