Den Tod nicht verschweigen

Pforzheimer Zeitung vom 30. März 2015

Stadttheater führt„Ente, Tod und Tulpe“ in der „Sterneninsel“ auf.
Ergreifendes Stück thematisiert das Sterben als Teil des Lebens.

PZ_20150330Mario Radosin in Gestalt der Ente und Christine Schaller als der Tod treten in den Räumen der „Sterneninsel“ auf. FOTO: EICKHOFF

Eine kleine Gitarre in den Händen, auf dem Kopf einen keck sitzenden Strohhut und im Hosenbund eine fröhliche Tulpe – dadurch zeichnet sich der Tod aus. So hat er im The- aterstück „Ente, Tod und Tulpe“ die rund vierzig kleinen und großen Besucher am Samstagnachmittag in den Räumen des Kinder- und Jugendhospizdienstes „Ster- neninsel“ in Pforzheim begrüßt. Das ergreifende Stück unter Regie von Ayla Yeginer, wurde in Kooperation mit dem Stadttheater Pforzheim organisiert und sollte ursprünglich schon am 10. Februar aufgeführt werden, am Tag der Kinderhospizarbeit. Es musste allerdings aus gesundheitlichen Gründen verschoben werden.

Bühne frei für ein Tabuthema

Mario Radosin verkörperte die fröhliche Ente mit dem rosa Tutu und einer sonnengelben Strumpfhose, und Christine Schaller den Tod auf eine sehr berührende Weise. Sie brachten das Tabuthema Tod durch ihr Schauspiel zur Sprache, das oft verschwiegen wird. „Wir möchten mit dem Stück das ganze Thema ins Leben holen und es nicht verschweigen“, betont Angelika Miko von der Einsatzleitung der Sterneninsel. In dem Kinderschauspiel von Nora Dirisamer, nach dem Buch von Wolf Erlbruch, genießt die Ente ihr Leben und geht ihren täglichen Tätigkeiten nach. Doch eines Tages trifft sie auf den Tod höchstpersönlich, und zwischen den beiden entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Die Ente ahnt, dass der Tod sie nur besucht, weil sie bald sterben wird.

In dem Schauspiel fanden sowohl Kinder als auch Erwachsene einfache Antworten auf die großen Fragen im Leben. Der Tod erklärte der Ente, dass jeder von uns für sich berühmt und unsterblich ist. Denn, wenn man sich an jemanden erinnert, dann lebt er irgendwie weiter. Und es ist nur verständlich, dass wir traurig sind, wenn jemand stirbt, weil wir etwas Schönes gesehen haben und es anschließend nicht mehr da ist. Als die Ente letztendlich einschläft und stirbt, schaut der Tod sie noch lange an. Als er geht, wirkt er fast ein wenig betrübt, aber so war das eben im Leben.

Miko freut sich über die erste Zusammenarbeit mit dem Stadttheater und den Applaus des Publikums. „Ente, Tod und Tulpe“ wurde nicht nur von Angehörigen des Kinderhospizes besucht, auch andere Gäste fanden den Weg in die Sterneninsel und hatten nach dem Stück vielleicht eine andere Sicht auf den Tod als davor.

Sie fanden auf die Frage „Warum muss man eigentlich sterben?“ eine Antwort. Der Tod erklärte der Ente: „Weil man lebt. Alles, was lebt, verändert sich. Eine Tulpe sprießt, blüht und verwelkt. Du wirst als Küken geboren, lernst watscheln, gründeln, bist jeden Tag anders als am Tag davor. Und der Tod ist nichts anderes als die letzte dieser Veränderungen.“

ANNA EICKHOFF | PFORZHEIM