Ein ganz besonderes Fußballspiel

Pforzheimer Zeitung vom 15. Juni 2010

Jonas Anderer, schwerkranker Junge aus Keltern, dirigierte von seinem Bett aus ein Spiel auf dem Ellmendinger Sportplatz

tmpEin außergewöhnliches Fußballspiel in Ellmendingen: Der schwerkranke 14-jährige Jonas Anderer dirigierte von seinem Bett aus ein Spiel seiner Krankenschwestern gegen den Jugendhospizverein.

Fußballfieber überall: Das Spiel auf dem Ellmendinger Sportplatz zwischen „Hotzenplotz“ Häusliche Kinderkrankenpflege und dem Jugendhospizverein „Sterneninsel“ war freilich eine ganz besondere Partie. Seit Wochen geplant und bis ins Detail vorbereitet vom 14-jährigen Jonas Anderer: Der Fußballfan, der wegen Muskeldystrophie (fortschreitende Muskelschwäche) beatmet und über eine Sonde ernährt wird, dirigierte als Trainer das Team seiner Krankenschwestern von seinem Bett am Spielfeldrand aus.

Mit Hymne und Vuvuzelas

Die Zuschauer sahen ein Spiel mit Nationalhymne, Vuvuzelas, den Tröten aus Südafrika, viel Applaus und ausgelassener Stimmung. Zur Seite stand dem schwerkranken Jonas Anderer ein engagiertes Helferteam, angeführt von Co-Trainer und Vater Herbert. Mannschaftstrikots, Schiedsrichter, Stadionsprecherin, Sanitätsdienst, Siegerpokal – alles war wie in einem richtigen Fußballspiel vorhanden. Die Mannschaftsaufstellung seines FC Rot-Weiß Hotzenplotz mit Kinderkrankenschwestern, die ihn auch zu Hause betreuen, hatte Jonas Anderer auf seiner Strategietafel festgelegt.

Verstärkt wurden beide Mannschaften durch Verwandte und Freunde wie die Nachbarsmädchen Ronja und Noa oder den 7-jährigen Christoph, angefeuert von Fans wie Cousine Franziska, fünf Jahre. „Gell, die Roten sollen gewinnen“, sagte sie. Jede Auswechslung erfolgte unter Jonas’ Regie, der zwar Schwierigkeiten mit dem Sprechen hat, das Spiel aber mit wachen Augen und Ohren verfolgte. Ernsthaft, liebevoll, selbstverständlich wurde er von allen ins Geschehen einbezogen.

Anerkennung für den Organisator

Angelika Miko, Trainerin und Torfrau bei der „Sterneninsel“, Mitbegründerin des im Aufbau begriffenen Jugendhospizdienstes, war voller Anerkennung: „Eine Chance, unsere ehrenamtliche Arbeit bekannt zu machen.“ Ebenso Petra Rothfuss, Spielführerin bei „Hotzenplotz“: „Hier können wir zeigen, dass unsere Tätigkeit nicht nur mit schwerer Krankheit zu tun hat, sondern auch mit viel Spaß.“ Dank gelte auch, so formulierte es Mutter Heike Anderer, „Jonas, ohne den es diese Spiele nicht gäbe“. So wurde seinem Wunsch entsprochen, vor dem Anpfiff eine Schweigeminute für alle kranken Kinder abzuhalten.

Die Begegnung endete mit 3:2 für die „Sterneninsel“ – mit dem letzten Siebenmeterschuss. Unentschieden noch nach regulärer Spielzeit (1:1) und zehn Siebenmeterschüssen (2:2), bis ein verwandelter Schuss die Entscheidung brachte. „Hotzenplotz“-Trainer Jonas Anderer schmunzelte: „Ich habe sie unterschätzt …“ „Er hat mir im Vorfeld zu viele wertvolle Tipps gegeben“, gestand Angelika Miko. Das Ergebnis war jedoch nicht maßgeblich, sondern die Begegnung vieler Helfer.