Hotzenplotz holt Pokal zurück

Pforzheimer Kurier vom 22. Juni 2015

Fußball-Gedenkspiel in Ellmendingen erstmals ohne Organisator Jonas Anderer

MISSION ERFÜLLT: Wenige Minuten nach der Aufnahme dieses Mannschaftsbilds holt Hotzenplotz beim FBDS-Cup und Gedenkspiel für Jonas Anderer den Pokal zurück. FOTO: ROTH
MISSION ERFÜLLT: Wenige Minuten nach der Aufnahme dieses Mannschaftsbilds holt Hotzenplotz beim FBDS-Cup und Gedenkspiel für Jonas Anderer den Pokal zurück. FOTO: ROTH

Sonst war es immer so, dass Jonas Anderer in die Mitte des Fußballplatzes bei der Ellmendinger Grundschule gebracht wurde und alle Spieler sich um ihn herum aufstellten. Dieses Mal steht nicht das Krankenbett auf dem Platz, auf dem der Ball des FBDS-Cups rollt, sondern eine Staffelei. Von einem Foto herab blicken die ausdrucksvollen Augen von Jonas Anderer in die Menge. Nicht nur seiner 29-jährigen Schwester Anna stehen die Tränen in den Augen. Seiner Mutter Heike Anderer bricht bei der Ansage fast die Stimme, während sein Vater Herbert ihr beruhigend die Hand auf die Schulter legt: Das FBDS-Cup-Gedenkspiel für den am 20. Januar verstorbenen, an Muskelschwund leidenden 19-jährigen Jonas Anderer wühlt die Gemüter auf. Die Trauer eint an diesem Samstag zwei Fußballmannschaften und die Zuschauer, schweißt sie zu einer großen Gemeinschaft zusammen. Die Teams „Sterneninsel“ (Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst) und „Hotzenplotz“ (Häusliche Kinderkrankenpflege Pforzheim) stehen sich zum letzten Mal gegenüber. „Es ist nicht mehr das Gleiche ohne Jonas“, sagt seine Mutter. „Jonas stand immer im Mittelpunkt und jetzt ist er nicht mehr da. Das ist jetzt schon einfach was ganz Anderes“, sagt Vater Herbert.

Regen beendet Partie vorzeitig

Und darin sind sich alle einig. Dieses Spiel hat Jonas Anderer noch organisiert, es ist das neunte insgesamt und das fünfte mit diesen Teams. Als eingefleischter FC Bayern- und KSC-Fan war Fußball für den schwerstkranken Ellmendinger natürlich naheliegend, mindestens ebenso wichtig war ihm, die Menschen zusammenzuführen. Als sich die Mannschaften am Samstagnachmittag auf dem Platz postieren, ist über dem rot-weißen Dress der „Hotzenplotz“-Mannschaft die „Mission“ auf einem Transparent lesbar: Es gilt, den Pokal ins rot-weiße Lager zurück zu holen. Und erst recht, wenn Angelika Miko im Tor steht. Das hat er zu der Einsatzleiterin der Sterneninsel kurz vor seinem Tod gesagt. Angelika Miko lernte Jonas Anderer als Kinderkrankenschwester bei Hotzenplotz kennen und hatte auch bis zu seinem Tod ein enges, freundschaftliches Verhältnis zu ihm. Schließlich war Jonas Anderer auch Initiator und Namensgeber des Vereins „Sterneninsel“. Und nun habe er, so Miko, sich am 20. Januar auf den Weg zu seiner eigenen Sterneninsel gemacht. „Hoffen wir, dass er dort so leicht und unbeschwert sein kann wie er es in seinem Leben hier nicht mehr konnte“, so Miko.

Sie erzählt vor dem Anpfiff und der Schweigeminute auch, dass „die Mission“, den Pokal zurück zu holen, neben seinem Bett hing. Und sie wird erfüllt. Zwar mit einer salomonischen Entscheidung, aber im Sinne von Jonas. Die Spielerinnen treten zwar nach dem Abspielen ihrer „Hymnen“, einem Lieblingslied von Jonas und einer vorgelesenen Passage aus „Ronja Räubertochter“ mit ihrer Trauerflorbinde am Arm – einziger männlicher Fußballer ist Jonas kleiner Cousin Can – vor den fähnchenschwingenden Zuschauern gegeneinander an. Aber der Regen macht eine Fortsetzung der ersten Halbzeit mit einem Tor für „Hotzenplotz“ unmöglich. Es wird zu rutschig und da man nicht in die Halle umziehen will, belässt man es nach einer Besprechung der Teams mit „Schiri“ Axel Koch und Linienrichter Felix Bischoff bei diesem Ergebnis.

SUSANNE ROTH | KELTERN-ELLMENDINGEN