In Gedanken bei Jonas

Pforzheimer Zeitung vom 23. Juni 2015

Bei der Fußballveranstaltung in Ellmendingen sorgte Regen für einen Spielabbruch – Es blieb deshalb beim 1:0-Sieg des Hotzenplotz-Teams

Beim Jonas-Anderer-Gedächtnisturnier strengten sich alle ganz besonders an, denn der Namens- und Ideengeber war vor einigen Monaten verstorben. FOTO: GEGENHEIMER
Beim Jonas-Anderer-Gedächtnisturnier strengten sich alle ganz besonders an, denn der Namens- und Ideengeber war vor
einigen Monaten verstorben. FOTO: GEGENHEIMER

Das Fußballspiel lief ab wie immer: der FC Hotzenplotz in Rot, also die Mitarbeiterinnen der häuslichen Kinderkrankenpflege, gegen die Sterneninsel bestehend aus dem Jugendhospizdienst in Blau. Dazu viele Jugendliche in Rollstühlen, Stadionsprecherin Elke Schwert-Kriener und Schiedsrichter Axel Koch beim Bolzplatz an der Grundschule in Ellmendingen. Das Wesentliche aber war anders: Jonas Anderer, der 19-jährige Initiator des jährlichen Cups und Cheftrainer der Roten, war bereits vor einigen Monaten verstorben. Der an einer lebensverkürzenden Muskelschwäche leidende junge Mann, der die Spiele plante und vom Pflegebett aus verfolgte, hatte auch dieses letzte Turnier bereits vorzubereiten begonnen. Ehrensache für alle Mitwirkenden, es durchzuführen. Und doch war damit vieles völlig anders: Die Fröhlichkeit war verhalten, die Menschen nahmen einander anders in den Arm. Ein schwarzer Trauerflor der Spielerinnen zeugte überdies davon, dass dies kein normales Turnier war. Angelika Miko sagte: „Ich musste Jonas versprechen, im Tor der Blauen zu stehen.“ Obwohl es sein großer Wunsch war, dass die Roten den Pokal zurückerobern.“ Menschliche Größe bewies an erster Stelle die Familie von Jonas, Schwester Anna im Rot-Weiß-Trikot, die Neffen Can und Eren als Spieler beziehungsweise Unterstützer, Vater Herbert als Trainer und Mutter Heike mit der Begrüßung vor dem Anpfiff, bei der nicht nur sie selbst Tränen in den Augen hatte. Voll Ehrgeiz legten sich beide Mannschaften ins Zeug. Das Hotzenplotz- Team führte zum Ende der ersten Halbzeit 1:0 durch Maria Lutzweiler. Als der Regen die zweite Halbzeit auf dem Kunstbelag gefährlich rutschig machte, waren alle einig: Es erfolgte der Spielabbruch. Das Ergebnis soll so bleiben. Die Pokalmission ist erfüllt. Von wo er auch zugeschaut haben mag, er wird sich nicht nur über das Spielergebnis gefreut haben, sondern auch über die Aussagen seiner Hotzenplotz-Spielerinnen, die seine Krankenschwestern waren: „Er hat Menschen zusammengeführt“, sagte Petra Schmidt. „Er hat jeden genommen, wie er ist“, meinte Juana Arteaga. „Er hat sich um uns gesorgt“, unterstrich Bianca Ehrbrecht. „Er war der Ideengeber“, so das Fazit von Annkathrin Schäfer.

WINNIE GEGENHEIMER I KELTERN-ELLMENDINGEN