Neue Wohnung, altes Leid

Pforzheimer Zeitung vom 19. Juli 2013

Familie des an Krebs erkrankten Illingers Marcel Augenstein zieht um
Räumung ist kein Thema mehr, aber eine große innere Belastung bleibt

m1919071304_0199435Für die Illinger Familie Augenstein hat das Thema Umzug am gestrigen Donnerstag seinen Schrecken verloren. Nach langer Suche, die aufgrund einer Räumungsklage und der Krebserkrankung des 23 Jahre alten Sohnes Marcel quälend war, konnten die Augensteins in eine neue Bleibe ziehen.

Der Ortswechsel vollzog sich schnell. Nur zwei Wochen seien seit der Zusage für eine Wohnung in Eberdingen-Nussdorf vergangen, sagte Frank Berzau vom Kinder-und Jugendhospizdienst für Pforzheim und den Enzkreis. Neben der „Sterneninsel“, die er ehrenamtlich unterstützt, kümmert sich über die Hilfsaktion „Menschen in Not“ auch die PZ um die Augensteins.

Neuanfang mit kleinen Hürden

Zusammen mit seiner Kollegin Marion Bogner musste Berzau morgens zuerst auftretende Zweifel wegwischen. Die gebeutelte Familie, die eine Räumungsklage am Hals gehabt hatte, war sich nicht sicher, den Umzug umgehend und komplett bewältigen zu können. Als das „Sterneninsel“-Duo nach Nussdorf fuhr und die neue Wohnung putzte, während fünf Umzugshelfer aus der alten Möbel sowie Kartons nach unten schleppten und im Laster verstauten, war das Projekt dann schon ein ganzes Stück weiter. Am Mittag ließ die Familie Illingen hinter sich.

Zwar ist auch die Wohnung in Nussdorf nicht ebenerdig, doch der 23 Jahre alte Marcel, der sich zu Hause im Rollstuhl fortbewegt, sagt, die kleine Treppe sei kein Hindernis für ihn. Für ihn sind Krücken zwischendurch eine Alternative zum Rollstuhl.

Sein gesundheitlicher Zustand hat sich seit einem ersten Besuch der PZ vor zehn Wochen nicht verändert. Diesen Eindruck des Besuchers bestätigte Berzau, der in regelmäßigem Kontakt zur Familie steht. Marcel Augenstein beantwortete die Frage, wie es ihm gehe schlicht mit: „Gut.“

Vor vier Jahren hatte die Diagnose Knochenkrebs sein Leben durcheinander gebracht. Eine „Achterbahnfahrt“ begann – dabei ging es trotz aller Abs zwischendurch mal wieder aufwärts. Doch Ende 2012 folgte die Diagnose Oberbauch- und Lungenkrebs. Von kurzen Momenten abgesehen gibt sich Marcel Augenstein nun im Juli genau wie im Mai sehr rational, abgeklärt. Wie die Krankheit seine Seele berührt, lässt sich nur erahnen. Zu spüren ist weiterhin, dass in seiner Familie die Lebensfreude zu kurz kommt.

Helfer Berzau würde sich über mehr positives Denken freuen. Er weiß aber auch, dass es sich nicht verordnen lässt. Wenngleich das Thema Wohnungssuche passé ist, bleibt als Last für alle die Krebserkrankung des 23-jährigen Marcel.

Unterstützung ist da

Abgesehen von der Hilfe über „Menschen in Not“ hat die Berichterstattung der PZ über Familie Augenstein etwas bewirkt. Eine Frau übernimmt die Kosten für den Führerschein von Sohn Pascal. Eine andere spendete 1000 Euro, damit sich der kranke Marcel einen Wunsch erfüllen kann.