Spaß statt Krankheit im Mittelpunkt

Pforzheimer Zeitung vom 4. August 2011

Geschwister von kranken und behinderten Kindern genießen Ausflug
Ambulanter Kinder- und Jugendhospizdienst bietet Treffen an

tmpIn drei bis elf Metern Höhe, mit Gurt, Doppelhaken und Helm gesichert, bewegten sich mit Begeisterung 22 Jungs und Mädchen im Alter zwischen acht und 17 Jahren im Hochseilgarten des Wildparks. Die Jüngste im Team, Josephine, durfte noch nicht mit in die schwindelnden Höhen, aber es ist schon heute ganz klar für die Fünfjährige: „Horschpiz is spitze, das mach ich später auch mal!“ Sie findet es klasse, dass ihr der ambulante Kinder- und Jugendhospizdienst „Sterneninsel“ für Pforzheim und Enzkreis einen Tag ermöglicht hat, an dem vor allem das Spaßhaben zählt.

Kinderschutzbund auch dabei

Der Tag im Hochseilgarten mit acht Begleitern und professioneller Anleitung von Freizeitpädagogen war die erste Aktion der „Sterneninsel“ für Geschwisterkinder von Kindern mit einer schweren Erkrankung oder einem körperlichen oder geistigen Handicap. Und gleichzeitig eine Kooperation mit der Trauerbegleitung im Kinderschutzbund Pforzheim für Jungs und Mädchen die ein Elternteil oder ein Geschwister verloren haben.

Geschulte Mitarbeiter

Die „Sterneninsel“ bietet Lebensbegleitung für die ganze Familie. Die geschulten Mitarbeiter begleiten auf Wunsch nicht nur schwerstkranke Kinder und Jugendliche. Zu den Aufgaben der „Sterneninsel“ zählt auch die Betreuung der Geschwisterkinder. So ist es im Flyer zu lesen, und die Koordinatorin des ambulanten Dienstes, Angelika Miko, ergänzt: „Die Kinder mit chronischen oder Lebenslimitierenden Erkrankungen brauchen viel Zeit und Aufmerksamkeit der Eltern. Da geraten die gesunden Kinder schon mal in die zweite Reihe. Schwierige Fragen wollen die Kinder an Mama oder Papa oft nicht stellen, um diese nicht extra traurig zu machen.“

Ein tolles Miteinander

Ebenso schwierig sei es, wenn Papa, Mama oder auch ein Großelternteil sterbe. Die hinterbliebenen Familienmitglieder seien mit der Situation und ihrer eigenen Trauer sehr belegt, berichtet Mylène Krink-Zorn. Die ehrenamtliche „Sterneninsel“-Mitarbeiterin ist ausgebildete Kinder- und Jugend-Trauerbegleiterin beim Kinderschutzbund.

Am Tag im Wildpark standen Teamspiel und Spaß im Vordergrund. Gegenseitiges Helfen, aufeinander warten, die Sicherheit der Gurte spüren. Jeder konnte die eigene Höhe wählen. Ein tolles Miteinander, eine Akzeptanz ohne unverständliche Blicke und ohne etwas von sich selbst erklären zu müssen. Zielstrebig wurden nach der spannenden Kletterpartie am Nachmittag dann auch die kniffligen Aufgaben der Freizeitpädagogen gelöst. Da galt es im Team ein „unsichtbares“ Moor mit Balken zu überqueren oder eine Pipeline zu legen und Wasser zu beschaffen.

In dieser bunten Kombination traf sich die Gruppe zum ersten Mal. In den zufriedenen Gesichtern von allen Beteiligten stand deutlich zu lesen, dass es weitere Aktionen geben soll.