„Wir holen den Pokal zurück“

Pforzheimer Kurier vom 19. Juni 2015

FUSSBALLFAN DURCH UND DURCH: Für Jonas Anderer – hier im Sommer 2014 in KSC-Fan-Ausrüstung mit seinem Vater Herbert Anderer und Hospizbegleiterin Elisabeth Weiss im Wildparkstadion – gab es nichts Schöneres als das Spiel mit dem runden Leder. FOTO: PK
FUSSBALLFAN DURCH UND DURCH: Für Jonas Anderer – hier im Sommer 2014 in KSC-Fan-Ausrüstung mit seinem Vater Herbert Anderer und Hospizbegleiterin Elisabeth Weiss im Wildparkstadion – gab es nichts Schöneres als das Spiel mit dem runden Leder. FOTO: PK

Am 20. Januar diesen Jahres starb Jonas Anderer, kurz nach seinem 19. Geburtstag. Kurz vor seinem Tod habe der schwerst behinderte Ellmendinger noch gesagt: „Ich bin auf jeden Fall dabei. Ob in echt oder nicht.“ Das hat er zu Angelika Miko gesagt, die sich viel um ihn gekümmert hatte. Er konnte schon ein Jahr vor seinem Tod nicht mehr persönlich dabei sein, der Geist des Verstorbenen ist es aber sicher, wenn am kommenden Samstag um 14 Uhr auf dem Bolzplatz

Jonas wollte immer Menschen zusammenführen

der Ellmendinger Grundschule zum FBDS-Cup-Gedenkspiel für Jonas Anderer angepfiffen wird. FBDS ist die Abkürzung für den Namen des Spiels, „Fußballbund – Das Spiel“, den Jonas erfunden hat.

Angelika Miko ist Einsatzleiterin beim Pforzheimer Verein Sterneninsel, einem ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst, und wird wieder im Tor der Sterneninsel stehen, deren Mannschaft sich gegen „Hotzenplotz“, das Team der Häuslichen Kinderkrankenpflege Pforzheim, behaupten muss. Mal schauen, ob Jonas Anderers Wunsch in Erfüllung geht, dessen Name für „Hotzenplotz“ steht. Denn er hat auch zu Angelika Miko gesagt, die ihn damals als Kinderkrankenschwester des Pflegedienstes Hotzenplotz kennenlernte: „Wir holen den Pokal zurück, auch wenn du im Tor stehst.“ Es war nämlich in den bisherigen fünf Spielen schon fast ein Omen, dass dann die Sterneninsel zweimal gewinnen konnte. Angelika Miko rechnet mit zahlreichen Zuschauern, die am Samstag die Mannschaften anfeuern werden. Wer Jonas Anderer kannte, weiß, welche Bedeutung das kleine Turnier mit einer Spielzeit von zweimal 20 Minuten hat. Denn Jonas, der seit seiner Geburt an Muskelschwund litt, hat sehr weit über sein Krankenbett hinaus geschaut, mit dem er bis ein Jahr vor seinem Tod sogar auf den Fußballplatz geschoben wurde. Der lebensfrohe Junge, der seit seiner Konfirmation nicht einmal mehr sitzen konnte, ist nicht nur Namensgeber der „Sterneninsel“ und war Fan des FC Bayern München sowie des Karlsruher SC, sondern hat immer auch Fußballspiele in seiner Heimat organisiert. Und jede Menge Fußballpartys bei sich zu Hause gefeiert. Vor allem ist ihm laut Angelika Miko immer wichtig gewesen, Menschen zusammenzuführen. Man habe ihm versprechen müssen, wieder zu spielen, auch wenn er dann schon nicht mehr am Leben sein sollte. So wird es also am Samstag die fünfte Auflage sein, mit der Gedenkminute für verstorbene Kinder und Jugendliche, die „Jonas immer sehr wichtig war“, mit einer Ansprache, einem „echten“ Stadionsprecher, der Nationalhymne und natürlich auch einer richtigen Siegerehrung.

Jedes Jahr wurden es mehr Zuschauer. Bereits die Vorbereitungen seien von „vielen Emotionen“ begleitet. Für Miko ist und bleibt Jonas Anderer ein besonderer Mensch, der viel für andere getan habe und dem es sehr wichtig gewesen sei, Menschen zu vernetzen. Ob es im Jahr darauf allerdings noch einen FBDS-Cup geben wird, das steht noch in den Sternen. Zusammen mit der Familie sei man gerade im Gespräch. Sicher ist, dass man sich auch weiterhin einmal im Sommer treffen will und dass das Treffen etwas mit Fußball zu tun haben wird. Das Turnier sei aber „nicht das Gleiche ohne ihn“, so Angelika Miko.

SUSANNE ROTH | KELTERN-ELLMENDINGEN