Den Tagen Leben geben

Pforzheimer Zeitung vom 12. Februar 2019

Er existiert seit zehn Jahren: Der Hospizdienst „Sterneninsel“.
50 Ehrenamtliche sorgen sich auch um Eltern und Geschwister.

Der Pantomime Christoph Gilsbach nahm das Publikum mit auf eine Reise zwischen Heiterkeit und Beklemmung. Umrahmt wurde der Abend auch vom Chor der Thomasgemeinde. FOTO: SEIBEL

Nein, um eine reine Sterbebegleitung geht es bei der Arbeit der „Sterneninsel“ nicht. Vielmehr um eine Lebensbegleitung. Diesen Unterschied stellte Jürgen Hörstmann, Vorstandsvorsitzender des Vereins, bei der Veranstaltung in der Thomasgemeinde heraus. Bei der Hospizarbeit mit Kindern und Jugendlichen gehe es, anders als häufig mit Erwachsenen, nicht darum, die letzten Wochen und Tage des Sterbens zu begleiten. Nein, die Herausforderung sei, so Hörstmann: „Wie können wir den Tagen Leben geben?“

Raus aus der Tabuzone

Seit zehn Jahren gibt es den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst, der seine Aufgabe nicht nur in der Begleitung todkranker Kinder sieht, sondern auch in der nachhaltigen Betreuung der Eltern und Geschwister, der ganzen Familie. Am Sonntagabend waren Mitglieder, Freunde und Unterstützer des Vereins in die Thomasgemeinde in der Nordstadt eingeladen. Anlass dazu gab der bundesweite Tag der Kinderhospizarbeit, der seit 2006 existiert. Insgesamt 50 ehrenamtliche Mitarbeiter kümmern sich bei der „Sterneninsel“ laut Hörstmann darum, „den Kindern und Jugendlichen beizustehen“. Hervorgehoben hatte er stellvertretend für das ganze Team die Einsatzleiterinnen Angelika Miko und Myléne Krink- Zorn. Ein besonderes Anliegen der „Sterneninsel“ sei es, über die Themen Krankheit, Sterben und Tod zu reden und sie dadurch aus der „Tabuzone“ heraus zu holen, so Hörstmann.

Ein Anliegen, das auch Christoph Gilsbach verfolgt, der unter anderem als Krankenhausclown unterwegs ist und bei der Veranstaltung in der Thomasgemeinde als Pantomime aufgetreten ist. In seinem Spiel „Das Leben. Eine Begegnung mit dem Tod“ nahm er sein Publikum mit auf eine bewegende Reise durchs Leben. Ohne Worte, dafür mimik- und gestenreich löste er dabei Gefühlszustände zwischen Heiterkeit und Beklemmung aus – bei seinen Figuren wie bei den Zuschauern: Das Leben zu leben, mit seinen Höhen und Tiefen, Rückschlägen und Erfolgen, Banalitäten des Alltags als die eine Herausforderung des Menschen.

Die andere, ungleich schwerere: Den Tod als Teil des Lebens zu akzeptieren, Groll und Wut zwar auszudrücken, Fragen nach dem Warum zu stellen, Schuld zu suchen. Um aber schließlich seinen Frieden mit dem Tod zu schließen, und damit auch Frieden mit sich selbst.

Die Botschaft verfängt, und manch einem im Publikum kommt ein Zitat in den Sinn, das Jürgen Hörstmann vorab wiedergegeben hatte: „Man lebt nicht nur einmal. Vielmehr: Man stirbt ein Mal. Aber man lebt jeden Tag!“